Erklärung
Beim Pretexting steht nicht der technische Angriff im Vordergrund, sondern die Rolle, die sich ein Täter gibt: Mitarbeiter der IT, Mitarbeiterin der Bank, Auditor, neue Kollegin, Personalabteilung. Die erfundene Geschichte („Pretext“) erklärt, weshalb Informationen, Zugänge oder Zahlungen benötigt werden. Häufig gehen mehrere kleine, unauffällige Anfragen voraus, die jeweils für sich harmlos wirken.
Pretexting ist ein Baustein des Social Engineering und kommt in vielen Betrugsformen vor, von Spear-Phishing bis zum CEO-Fraud. Es setzt auf Hilfsbereitschaft, Autoritätsgläubigkeit und Zeitdruck.
Typisches Beispiel (schematisch)
Jemand ruft im Auftrag einer Kundin an und bittet um die Aktualisierung einer Kontaktadresse. In einem zweiten Anruf folgt die Frage nach einer Zahlung, die „wegen der geänderten Adresse“ noch nicht ankomme.
Bedeutung für Forensik und Ermittlungen
Weil die Täuschung auf Gesprächen und Prozessen beruht, ist die Rekonstruktion der Abfolge entscheidend: Wer hat wann welche Information herausgegeben? Notizen, Ticketsysteme, Gesprächsprotokolle und E-Mails ergeben zusammen eine Timeline (Timeline-Analyse).
Erkennung und Prävention
Wirksam sind definierte Verifikationsprozesse (Rückruf über bekannte Nummer, Prüfung im System), die Regel, dass auch interne Stellen bestimmte Daten nicht telefonisch erfragen, und eine Kultur, in der Nachfragen erwünscht ist und nicht als Misstrauen gilt.
Auch gesucht als Vorwand, Vorwand-Anruf, Pretext, erfundene Geschichte