Erklärung
Im Mittelpunkt steht die Frage: Kann nachvollzogen werden, dass das, was heute ausgewertet wird, dem entspricht, was ursprünglich gesichert wurde? Dafür werden Übergaben, Lagerorte, Zugriffe und Bearbeitungsschritte schriftlich oder elektronisch festgehalten, mit Datum, Uhrzeit und beteiligten Personen. Auch für digitale Beweismittel gelten die Prinzipien: Medien werden eindeutig gekennzeichnet, gesichert aufbewahrt, und die Integrität wird per Hashwert belegt.
Die Dokumentation ersetzt keine technische Sicherung und ein Hashwert ersetzt keine vollständige Beweiskette. Beides ergänzt sich. Lücken in der Dokumentation führen nicht automatisch zur Unverwertbarkeit, können aber Fragen aufwerfen, die beantwortet werden müssen. Die Beurteilung obliegt dem Gericht.
Typisches Beispiel (schematisch)
Ein Laptop wird beim Kunden übernommen: Übergabeprotokoll mit Seriennummer, Zustand und Zeitpunkt, Transport in versiegelter Verpackung, Eintrag bei Eingang im Labor, Erstellung des Abbilds mit Hashwert, Rückgabe oder Verwahrung mit Eintrag.
Bedeutung für Forensik und Ermittlungen
Eine nachvollziehbare Kette stärkt das Vertrauen in die Auswertung und verringert Angriffsflächen für Zweifel an Herkunft und Unversehrtheit.
Erkennung und Prävention
Vorab festlegen, wer Beweismittel entgegennehmen darf, wie sie gekennzeichnet werden und wo sie aufbewahrt werden. Nachträglich rekonstruierte Ketten sind schwächer als zeitnah geführte.
Auch gesucht als Beweismittelkette, Beweiskette, Verwahrkette, Chain-of-Custody, Nachweiskette, Übergabeprotokoll, Beweismittelnachweis